Zum Umgang mit Medien bei politischen Aktionen

„Speziell die Antifa hat große Probleme mit der Dokumentation ihrer Aktionen“

Diesen Satz las ich eben auf der Webseite einer twitternden Aktivistin.

Zuerst musste ich übr den Begriff „DIE Antifa“ schmunzeln. Das Menschen aus den eigenen politischen Zusammenhängen Antifa immer noch als eine einheitliche feste Gruppe wahrnimmt finde ich immer wieder erheiternd.

 

Ja aber warum haben Antifas denn Probleme mit der Dokumentation von Aktionen?

In den 80er Jahren als die Repression gegen Antifaschist_innen enorm war, vermummten sie sich mit Sturmhauben und schützten sich mit Helmen gegen Angriffe.  Nachdem ein solcher Schutz verboten wurde und die Cops extrem aggressiv werden wenn sich Leute so kleiden, kamen Sonnenbrille und Kapuzenpulli in Mode.

Der Gedanke dahinter ist nicht erkannt zu werden. Revolutionäre Ideen zu äußern schafft Feinde. In der Familie, auf der Arbeit, im Studium, bei den Nachbarn und natürlich auch bei der Staatsmacht und politischen Gegnern. Um uns vor Repression und Stress zu schützen ziehen wir uns so an. Oder um es rechtsstaatlich zu formulieren: Diese Maßnahme ist für uns die einzige Garantie unsere Meinung frei äußern zu können.

Und was hat das jetzt mit den Medien zu tun? „Wenn ihr euch eh vermummt, kann es doch egal sein wer euch fotografiert oder filmt“, könnte man erwidern. Nun, Einerseits sind „wir“ ja nicht permanent vermummt (Das ist im übrigen ja auch illegal und schafft Stress mit den Cops), zum anderen im Sommer ziemlich heiß (mimimimimi) und insbesondere gibt es Anlässe wo ich es für mich unangebracht finde vermummt rumzulaufen. So ein Anlass ist für mich eine Gedenkdemo, wo ich nur Teil einer Gruppe bin die sich an einem Gedenkbündnis beteiligt und dieses ünterstützt, den Protest aber nicht vereinnahmen will.

Folglich kann ich mich nicht immer so schützen wie ich es eigentlich will.

Jetzt nehmen wir mal eine X-beliebige Demo und stellen sie uns vor. In der Mitte ein Lautsprecherwagen, drumherum viele Menschen. An der Spitze ein großes Transparent frontal und an den Seiten weitere Transparente. Davor das übliche Spalier Cops und zwischen Cops und der ersten Reihe Fotografen und Kameraleute. Aus meiner Erfahrung habe ich gelernt das sich die Presse, also Menschen die für ein Medium berichten und von ihm einen Presseausweis ausgestellt bekommen, meistens an der Spitze bewegen und diese fotografieren. Gelegentlich bewegen sie sich 90° zur Seite. Wenn ich mich dort bewege weiß ich, dass ich damit rechnen muss aufgenommen zu werden. Gelegentlich suchen sich Pressemenschen dann erhöhte Punkte, Bänke, Blumenkübel, Treppen etc um IN die Demo zu knipsen. Davor kann ich mich meistens nur schlecht schützen und bin darauf angewiesen von den Leuten vor mir gewarnt zu werden. „Kamera auf  11 Uhr“ oder ähnlich.  Dann kann ich den Kopf ssenken, mich wegdrehen oder die Hand vor das gesicht halten.

Die Pressevertreter mit dem zuvor beschriebenen verhalten sind für mich berechenbar. Sie verpixeln zwar meistens ihre Bilder nicht, aber ich weiß wie ich mich vor ihnen schützen kann. Und ich weiß auch das ihre Aufnahmen nicht an den Staat oder Nazis gehen, die in den letzten Jahren damit angefangen haben Datenbanken von „linken Aktivist_innen“ anzulegen.

Außerhalb der Demo sind also Pressemenschen die die Demo dokumentieren. Wenn ich jetzt innerhalb der Demo Menschen sehe die filmen oder Fotos machen, ist die Gefahr für mich besonders groß. Ich weiß nicht wo sie sind und wer sie sind, bzw für wen sie die Bilder machen. So kann es passieren das ich schnell mal auf einem Bild lande auf das ich nicht wollte.  Nun kann es sein das die Person das Bild nur fürs private Album gemacht hat. Es kann aber auch sein das sie es twittert, bei Facebook hochläd oder beim nächsten Grillfest rumzeigt und ich dort von anderen Menschen erkannt werde.

Bei Menschen ohne Kennzeichnung als Presse muss ich daher auch außerhalb der Demo, z.B. am Straßenrand aufpassen. Schon zu häufig standen dort Faschos zwischen Schaulustigen und haben fleißig mitgeknipst.

Ganz besonders kritisch wird es, wenn Aktivist_innen sich selber als Presse kleiden (also entsprechende Warnwesten mit Aufdruck und sich Schilder mit „PRESSE“-Aufschrift anheften.) Erstmal kann ich sie aufgrund der Nachahmungswut gewisser Leute kaum noch optisch von Faschos unterscheiden und zum anderen bewegen sie sich meist nicht dort wo die anderen Pressemenschen sind.  Auch die Cops werden eine solche „Tarnung“ irgendwann checken und dann möglicherweise die Presse noch mehr am arbeiten hindern als sie es sonst schon so häufig tun. Zum anderen besteht die Gefahr das die sich als „Presse“ aufspielenden Aktivist_innen selber ins Raster polizeilicher Maßnahmen geraten. Also durchsucht werden könnten oder eventuell eine Hausdurchsuchung haben. Ich kann nicht sicher sein das die Fotos dieser Personen entsprechend vor fremden Zugriff geschützt sind.

Zuletzt sei noch erwähnt das es neben den „Mainstreammedien“ und ihren Pressemenschen auch noch freie Journalisten gibt, die für die Bewegung fotografieren, ihre Bilder verpixeln und verschlüsseln und eigene Presseorgane (Indymedia) aus der Szene über die Infos und Bilder veröffentlicht werden können.

Wenn mir also fremde Personen ohne Presseausweis ein Objektiv vors Gesicht halten werde ich mich im Zweifelsfall immer schützen. Wie das dann aussieht kommt auf die Situation an.

 

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